Schloß Hof "Große Kaskade" – EINZIGARTIGES PROJEKT IN EUROPA

Schloss Hof ist das größte der sechs Marchfeldschlösser. Es liegt östlich von Wien in der Katastralgemeinde Schloßhof (Gemeinde Engelhartstetten) in Niederösterreich, unweit der March, die die Grenze zur Slowakei bildet, und ist weithin sichtbar auf einer Geländekante der Flussterrasse angelegt.
1725 erwarb Prinz Eugen von Savoyen ein Renaissancekastell als Vorgängerbau des heutigen Schlosses und den Markt Hof. Er beauftragte Johann Lucas von Hildebrandt, das Kastell zu einem barocken Jagdschloss umzubauen. Nach dem Tode des Prinzen Eugen gelangte das Schloss in den Besitz von Maria Theresia. Nach dem Tode Maria Theresias im Jahre 1780 geriet Schloss Hof in Vergessenheit und wurde fortan kaum mehr von der kaiserlichen Familie genutzt.

Barockgarten
Auf dem 50 ha großen Areal befindet sich neben dem Schloss ein großer Barockgarten mit zahlreichen Treppen, Brunnen und Statuen. Der Garten von Schloss Hof gliedert sich in sieben Terrassen und ist europaweit einer der wenigen, die seit ihrer Entstehung in ihrem Aufbau nicht verändert wurden. Der Garten ist zwar im Lauf der Zeit verwildert, wurde aber in den letzten Jahren nach alten Plänen, historischen Aufzeichnungen und großräumigen archäologischen Grabungen, bei denen die Originalfundamente von Brunnen wie der großen Kaskade auf der fünften Terrasse gefunden wurden, rekonstruiert.

Von wem der Gartenentwurf stammt, ist nicht eindeutig gesichert. Als Quellen für die Wiederherstellung der Kaskade dient ein Gemälde Canalettos von Schloss Hof aus der Zeit um 1760 im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Die Große Kaskade

Innerhalb der großen Anlage von Schloss Hof aus barockem Schloss, siebenterrassiger Gartenanlage und einem Gutshof war die „Große Kaskade“ zu Prinz Eugens Zeiten das Prunkstück. Die Brunnenanlage, die in Größe und Kunstfertigkeit nur noch mit der in Versailles vergleichbar ist, wurde 2016 und 2017 im Auftrag der Schloß Schönbrunn Kulturund Betriebsges.m.b.H. aufwändig rekonstruiert und wieder errichtet. Historische Spurensuche und digitale 3D-Modellierung gingen dabei Hand in Hand.
Insgesamt verteilen sich 650 Quadratmeter Wasseroberfläche auf zwei Becken und einen vierstufigen Wasserfall über viereinhalb Höhenmeter: Die einstmals gewaltigen Ausmaße der Großen Kaskade sind ab Herbst 2017 wieder erlebbar. Voraussetzung für die aufwändige Rekonstruktion waren mehrjährige Vorarbeiten.

Großprojekt in Abstimmung mit Bundesdenkmalamt
Die Große Kaskade stellt aufgrund der immensen Ausmaße und der zentralen Bedeutung für Schloss Hof ein absolutes Großprojekt dar. Die Rekonstruktion dieser nicht nur in Österreich einzigartigen Brunnenanlage erfolgte in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Die Bedeutung unterstreicht auch der Landeskonservator für Niederösterreich im Bundesdenkmalamt, Dr. Hermann Fuchsberger: „Besonders wichtig aus Sicht des Denkmalschutzes ist die möglichst originalgetreue Rekonstruktion der Großen Kaskade.
Eine Teillösung – wie etwa ein partieller Aufbau einzelner Becken – war deshalb keine Option.“

Bewegte Vorgeschichte
Die um 1730 errichtete Große Kaskade wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund baulichem Verfall und fehlender Dichtheit demontiert – aus dem großen Teil des Steinmaterials wurde direkt am Ort eine Stützmauer errichtet. Diese blieb über 150 Jahre bestehen. Im Jahr 2014 wurde seitens der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H (SKB) in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt beschlossen, diese Mauer im Zuge einer Rekonstruktion abzubrechen. Bei näherer Begutachtung wurde nämlich deutlich, dass ein Großteil der sogenannten Spolien (bauliche Überreste des Brunnens) für den Wiederaufbau verwendbar ist und wertvolle Erkenntnisse für die Rekonstruktion bietet.

Sensationsfund beim Mauerabbau
Die Erwartungen an das historische Steinmaterial wurden beim Abbau sogar noch übertroffen: Eine besondere Sensation stellte das Wiederauffinden von Relieffragmenten der ursprünglichen Kaskadenwand mit mythologischen Darstellungen dar – rund 40 % der Reliefflächen wurden wieder entdeckt. Dieser Fund ermöglichte eine noch bessere Ausgangssituation, wie auch Hermann Fuchsberger vom Bundesdenkmalamt erklärt: „Das Sammeln möglichst vieler Originalinformationen aus unterschiedlichen Quellen ist die Grundlage der Rekonstruktion, wir konnten uns dabei quasi auf drei Säulen stützen: Die erste Säule stellen die archäologischen Erhebungen wie ausgegrabene Anschlüsse oder Beckenreste sowie die umfassende Bauforschung dar. Die rund 650 Spolien aus der Stützmauer, davon 165 Reliefteile, dienen als zweite Säule. Die dritte Säule bilden ein historisches Gemälde von Canaletto und alte Grundrisspläne des Gartens.“

Rekonstruktion am digitalen Reißbrett
Im Jahr 2014 wurden der Architekt Georg Töpfer und die Restauratorin Susanne Beseler mit der Rekonstruktion beauftragt. Innerhalb eines Jahres erstellten diese ein aufwändiges 3DArchitekturmodell, dabei wurden wesentliche Spolien eingescannt und auf dem virtuellen Reisbrett neu zusammengesetzt.

Die Rekonstruktion verbindet die fragmentarischen Fundamente mit einer Stahlbetonkonstruktion. Das Bewässerungssystem war schon bei der Errichtung im 18. Jahrhundert ein technisches Meisterwerk – diese Tradition wird nun in gewisser Weise fortgesetzt, wie Architekt Georg Töpfer erklärt: „Für die Wasserspiele werden in der Stunde 200 Kubikmeter Wasser bewegt – das neue System ist besonders energie- und kostensparend. Zwei unabhängige Filtersysteme und ein mikrobiologisches Wasseraufbereitungssystem ermöglichen den kompletten Verzicht auf Chemie.“
Die Fertigstellung der Brunnenanlage erfolgte im November 2017.

Ausgeführte Maßnahmen

Der Auftragnehmer kam im November 2016 zu den Vorbereitungen der Rekonstruktionsarbeiten hinzu. Rund 350 alte Werksteine, Teilstücke und Spolien wurden aufgefunden, 250 Stück davon konnten restauriert und wieder neu montiert werden. Häufige Schadensbilder waren Ausbrüche, Fehstellen und auch Abwitterungen.
In Abstimmung mit dem BDA wurden die Steine von Bemosungen befreit, sanft gereinigt und ergänzt. Bei Bedarf wurden Vierungen eingebracht, die Entscheidung erfolgte jeweils durch die Auftraggeber, die örtliche Bauaufsicht und das Bundesdenkmalamt. Insgesamt wurden 10 – 15 Prozent der alten Steinsubstanz im Projekt wiederverwendet.

Für die Rekonstruktion wurden die alten Steine gescannt und ein Modell der Kaskade in einer 3D-Software erzeugt. Dabei diente auch das Canaletto-Gemälde als Anhaltspunkt. Für die Werkplanung und Fertigung der Wassertreppe, vor allem der massiven Beckenschalen, wurden die Rohbetondecken ebenfalls 3D-gescannt.

Ursprünglich waren für die Große Kaskade die Gesteinsarten Zogelsdorfer, Mannersdorfer, Hundsheimer, Deutsch Altenburger und St. Margerethener Kalksandstein verwendet worden.

Die neuen Werkstücke, Mauersteine, Schalen und Böden im oberen und unteren Becken wurden aus Veselje Unito und St. Margerethener Kalksandstein gefertigt. Mit dem St. Margarethener Stein stand ein Originalmaterial für die neuen Stücke zur Verfügung; Veselje Unito ist ein kompakter, frostbeständiger kroatischer Kalkstein, der zur Untergruppe des Onkoidkalksteins zählt.

Tonnenschwere Einzelteile
Die Menge an Rohmaterial zur Herstellung der Neuteile verdeutlicht die enorme Größe des Projektes: Für die Steine in den beiden Becken wurden rund 600 m² Platten aus 6 cm starkem Veselje Unito-Kalkstein gefertigt; für die Abdecksteine rund 40 m³ St. Margarethener Kalksandstein.

Für die Wandbekleidungen verarbeiteten die Steinmetze rund 140 m² Platten mit 8 cm Stärke aus Veselje Unito. Das obere Becken misst rund 320 m², das untere Becken ca. 280 m². Die Kaskade hat eine
Gesamthöhe von 8 Metern.

Die Becken bestehen aus einer Dichtbetonwanne, Drainagemörtel und dem Natursteinbelag. Die Profile der Beckenumrandung sind gekröndelt und leicht gestrahlt, die Oberflächen der sanierten Skulpturen leicht gestrahlt und geschlämmt.
Die massiven, bis zu 3,5 Tonnen schweren Brunnenschalen wurden aus 70 m³ Veselje Unito hergestellt.

Aufwendige Integration der Spolien
Die Leistungen des Auftragnehmers bei der Rekonstruktion der eigentlichen Wassertreppe mit den beiden Becken bestanden in der Werkplanung, der Herstellung der Boden-, Wandund Abdecksteine sowie der Wassertreppe mit Montage. 
Bei den Wandreliefs zu beiden Seiten der Wassertreppe wurden die Spolien an originaler, aufwändig rekonstruierter Position neu auf Niro-Wandankern montiert.
Partien, bei denen alte Steine fehlen, bleiben verputzt. Der Wandaufbau hinter und rund um die neu versetzten Spolien besteht aus Drainagemörtel mit einer Niro- Armierung, einem Vorspritzer sowie einem Grob- und Feinputz der Fa. Bauprofi.

Eine große handwerkliche Herausforderung bestand im substanzschonenden Einfügen der alten Fragmente in die neuen Schalen. Zahlreiche Partien wurden erst nach der Montage vor Ort steinmetzmäßig angepasst. Ebenso konnten die wellenförmigen Überläufe der obersten Ebene der Wassertreppe erst an Ort und Stelle nach Montage aller alten und neuen Teile angearbeitet werden. Sämtliche Maßnahmen erfolgten in Abstimmung mit dem BDA.

 

Bildrechte:
1. Restauratorische Maßnahmen an der Skulptur Marsyas: Auftragnehmer
2. CAD-Pläne/Grundrisse: Auftragnehmer
3. Fotos Werkstatt/Baustelle: Richard Watzke

 

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